Moskau-Ismailowo

Moskau-Ismailowo

Sonnabend/Sonntag, 10./11.16

So oft, wie an dem Tag, bin ich in einem Hotel noch nie umgezogen. Dabei hatte der Tag gut begonnen. Gegen Mittag checkten Paul und ich im Hotel „Slavyanskaya“ am Kiewer Bahnhof ein, direkt am Europa-Platz gelegen.
Der Name des Platzes stammt aus der Zeit, als Putin noch den Anscheinend erwecken wollte, er sei an einer Integration Russlands in europäische Strukturen interessiert. Die Zeiten sind längst vorbei, die Bezeichnung ist geblieben. Vielleicht hat man auf eine Umbenennung verzichtet, weil man in Moskau längerfristig den kruden Vorstellungen des faschistischen Philosophen Dugin zu folgen bereit ist: Seine „nationale Idee“ besteht in der Eroberung des Kontinents durch Russland und die Einsetzung eines Zaren als Herrscher über alle. Dann könnte der Name des Platzes erhalten bleiben, er wäre nur mit einem neuen Inhalt versehen.
Die Dame an der Rezeption war nett und freundlich. Ja, versprach sie, das von mir seit Langem bestellte dritte Bett werde umgehend aufgebaut. Der Ankunft von Enkelin Lea, aus Budapest kommend, stand nichts mehr im Wege. Fröhlich begrüßten wir sie am Flughafen Scheremetjewo, der in den vergangenen Jahren ohne große Terminverschiebungen zu einem Super-Airport  umgebaut worden war.
Wieder im Hotel, begann ein hartes Ringen um die zugesagte Schlafgelegenheit. Nach längerem Suchen bekannten die Damen an der Rezeption, im ganzen Hotel sei kein Klappbett aufzutreiben. Schließlich fänden in Moskau gerade die Drachenboot-Weltmeisterschaften statt, „Sie verstehen?“
Das tat ich nicht, ließ mich aber von dem Angebot besänftigen, dass wir in ein größeres Appartement zum gleichen Preis umziehen könnten. Dort angekommen, erwies sich das angepriesenen Schlafsofa als so klein, dass es kaum für ein Kleinkind gereicht hätte. Ausklappen ließe es sich auch nicht. Im nächsten Appartement gab es zwar ein ausklappbares Sofa, aber nur theoretisch. Der Klappmechanismus „arbeitete“ nicht. Beim dritten Anlauf hatten wir Glück, der Nachtschlaf war gesichert.
Den Sonntag, in Moskau als „Tag der Stadt“ gefeiert, verbrachten wir in Ismailowo, wo in einer künstlich-kitschigen Holzstadt massenhaft Souvenirs aller Art, Pelzmuetzen, Teppiche aus Dagestan und Mittelasien angeboten werden. Maler, Profis und Hobbykuenstler, stellen ihre Werke aus. Moskauer sieht man dort als Besucher kaum, die Veranstaltung ist auf die Touristen zugeschnitten. Lea war hier als Kind ein paar Mal, beeindruckt von den bunten Souvenirs. Sie wollte das ubedingt noch Mal sehen, Paul kannten Markt noch nicht und war folglich interessiert. Ich blieb, da etwas gehbehindert, gleich am Eingang an einem Schaschlik-Stand sitzen. Bis beide mit den üblichen Putin-Tassen, T-Shirts mit dem Konterfei des „Woschd“ und einem russischen Kopftuch zurückkehrten. Paul versprach, das Shirt nur in Berlin öffentlich zu tragen, „da verstehen sie, dass das ironisch gemeint ist“.

Blick aus dem Dr. Schiwago auf den Roten Platz.
Blick aus dem Dr. Schiwago auf den Roten Platz.

Am Abend trafen wir uns mit Karina und Igor im „Dr. Schiwago“. Nachdem ich humpelnd zahlreiche Sperren umgehend musste, genossen wir eine ausgezeichnete russische Küche. Die Sicht auf den Kreml war leider durch Fahrzeuge der Straßenreinigung behindert, die den Müll des Feiertages wegschafften.

Karina und Paul.
Karina und Paul.
Lea und der Großvater.
Lea und der Großvater.
Igor und Paul.
Igor und Paul.

 

 

 

11.9. – Die Enkel feiern ein Wiedersehen mit dem Roten Platz und dem Arbat. Abends wieder in Alatschkowo.
12.9. – Besuch der heiligen Quelle von Talesch. Das Tschechow-Museum in Melichowo blieb wegen mangelndem Interesse („wer ist Tschechow“) unbesucht.