Gori, das muffige Stalinmuseum

Montag, 26.9.2016

 

Im Stalinmuseum in Gori ist die Zeit stehen geblieben

„Wow! Das ist doch mal eine richtige proletarische Beisetzung!“ Paul ist beeindruckt, als er das (angebliche) Geburtshaus des Diktators Stalin in Gori sieht. Die kleine Holzhütte ist wie ein Heiligenschrein von einem großen, tempelartigen Gebäude umhüllt, auf das noch Generationen sich daran erfreuen können. Die Konstruktion gehört zum Stalin-Museum in der georgischen Stadt, das für Touristen noch nimmer ein Muss ist.

Ein Tempel umhüllt Stalins Geburtshaus in Gori.
Ein Tempel umhüllt Stalins Geburtshaus in Gori.

Dabei hat sich, wie ich feststellen musste, an der Exposition und an den Erklärungen der Museumsführer seit Jahrzehnten nichts geändert: Der Diktator, Verantwortlich für den Tod von Millionen seiner Landsleute, wird noch immer gefeiert als unfehlbarer Held der sowjetischen Geschichte. Dabei müsste man gar nicht so viel ändern, um aus dem muffigen Museum der Sowjetzeit eine modernere Variante zu entwickeln, in der das Museum selbst zum Exponat wird. Ich könnte mir vorstellen, dass die vorhandenen Exponate ergänzt werden durch Hinweise auf die Lücken: Wo, Genosse Stalin, sind ihre Genossen der frühen Jahre geblieben? Warum sind die Jahre 1936/37 nicht genannt, in denen der große Terror sich austobte? Das Gemälde von Stalin mit einem kleinen Mädchen auf dem Arm, das Paul, ohne die Hintergründe zu kennen, als zutiefst verlogen erkannte, müsste unbedingt mit der wahren Geschichte verknüpft werden. Dass nämlich die kleine Engelsina Markisow auf dem Arm des Diktators wenig später ihren Vater verlor, weil der als angeblicher japanischer Spion ins Gulag verschleppt und dort erschossen wurde. und warum hast Du, Stalin, kurz vor dem Hitlerangriff auf die Sowjetunion das sowjetische Offizierskorps blutig dezimieren lassen? Ebenso spielt die Kollaboration des Stalin-Regimes mit der deutsche Hitlerdiktatur bis zum Juni 1941 in der Ausstellung überhaupt keine Rolle.

Gemälde: Stalin herzte die Tochter und tötete den Vater.
Gemälde: Stalin herzte die Tochter und tötete den Vater.

 

 

 

Die georgische Regierung will das ändern und an der Stelle des Stalin-Museums ein „Okkupations-Museum“ errichten. Diese Idee halte ich für höchst zweifelhaft. Mit einem Strich würde die Erinnerung an den Georgier Stalin (mit ossetischem Vater, wie einige sagen) zumindest offiziell beseitigt. Man sollte das Museum, in modern gestalteter Form, erhalten.

Warum nicht den Beziehungen zwischen Georgien und Russland ein gesondertes Museum widmen? 1801 hatte sich das südkaukasische Land angesichts der militärischen Gefahren aus Persien dem Zaren in St. Petersburg unterworfen. Seit dieser Zeit, so die Vertreter des modernen Georgien, sei das Land politisch unterdrückt und vor allem geistig und kulturell „okkupiert“ gewesen.

Touristen besuchen das Stalin-Museum.
Touristen besuchen das Stalin-Museum.

 

 

 

 

 

 

Enkel Paul.
Enkel Paul.